Sonntags 10:30 Uhr Gottesdienst, gleichzeitig Kindergottesdienst

Du zeigst mir den Weg, der zum Leben führt. Du beschenkst mich mit Freude, denn du bist bei mir. Ich kann mein Glück nicht fassen, nie hört es auf.

Psalm 16, 11

Chancen der Schwäche

Café und mehr

"Cafe und mehr" heißt eine Veranstaltungsreihe, die vierteljährlich in der Thomas-Gemeinde in Neudorf stattfindet. "Die Chancen der Schwäche" hieß das gestrige Thema. "Erfolge feiern wir, Entwicklung und Fortschritt stärken uns. Doch die Kehrseite der Medaille erleben wir auch: schwach sein, sich (ver-)irren, versagen, vergessen, krank sein. In solchen Zeiten ziehen wir uns zurück. Doch Schwäche ist kein Makel, den wir verstecken müssen. Wir wollen entdecken, daß Schwäche die Chance für ein vertieftes Leben bietet," schreibt die Gemeinde in der Einladung.

Die Veranstaltung ist sehr gut besucht.

"Wer will schon gerne schwach und hilfsbedürftig sein," fragt Pastor Siegfried Ulmer in seinem Impulsreferat. "Wie gut ist es, wenn jemand da ist, dem ich nicht egal bin? Der mir die Hand reicht, wenn ich untergehe? Viele haben es vielleicht schon erlebt, wie sich das Leben ändert, wenn ich einen Moment der Schwäche erlebe."

Dann lädt er zu einer Denkreise ein:

"Stellen Sie sich vor, Sie haben 5 Minuten Zeit, in das Drehbuch des Lebens Ihres Kindes zu schauen. Oder auch in das Drehbuch Ihres eigenen Lebens. Sie dürfen lesen, was einmal passieren wird. Sie bekommen auch ein Radiergummi, um das Drehbuch zu korrigieren. Sie können beispielsweise etwas auslöschen.

Ihr Kind hat Lernprobleme in der Grundschule, kann sie aber meistern. Im Gymnasium hat es einen tollen Freundeskreis; einer der Freunde wird aber an Krebs sterben. Als Ihr Kind an der Universität studiert, erleidet es einen Unfall und verliert dabei ein Bein. Trotzdem bekommt Ihr Kind einen tollen Job und kann dort für ein paar Jahre arbeiten. Es verliert aber die Arbeit, weil die Firma pleite geht. Ihr Kind heiratet, kann die Scheidung nach einer Ehekrise nicht verhindern. Was würden Sie auslöschen?

Was uns am schlimmsten vorkommt, würden wir streichen, alles, was negativ ist und Schmerzen bereitet. Solche Tiefpunkte können aber auch die Wende zu einem neuen Leben sein."

Nach dem gemeinsamen Kaffeetrinken benutzt Volker Kohlenberg dafür ein Bild. "Ein geknüpfter Teppich sieht von unten auch nicht sehr schön aus. Von oben ergibt sich dann ein angenehmes Gesamtbild. Bei dem Vortrag von Pastor Ulmer ist mir in den Sinn gekommen, daß ich den Radiergummi gar nicht erst nehmen würde. Oft gehen wir aus solchen Krisen gestärkt heraus."

In seinem weiteren Vortrag geht er auf die Jahreslosung 2012 ein. Sie steht in 2. Korinther 12,9 und lautet: "Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig." Dieser Spruch ist auch auf einer Grußkarte zu lesen, die auf den Tischen ausliegt.